Tag Archives: Netzpolitik

Durchatmen nach dem Doxing

In diesen Tagen verbal auf dem Teppich zu bleiben, ist nicht gerade einfach. Da häuft ein fleißiger Teenager mit viel Geduld und wenig technischem Können einen Haufen persönlicher Daten über eine Reihe mehr oder weniger prominenter Personen an, und die Republik steht Kopf. “Warum muss es erst Jan Böhmermann erwischen, bis ihr aufwacht?” “Seit sechs Jahren predigen wir euch fast im Wochenrhythmus, ihr sollt eure Passworte wechseln, und ihr winkt ab. Warum seid ihr jetzt so überrascht, wenn der längst überfällige Knall kommt?” Ich hätte noch ein paar spitze Bemerkungen, andererseits bringt es nicht besonders viel, sich mit großer Geste das “Told-you-so”-T-Shirt überzustreifen. Dafür bietet das Thema zu viele interessante Aspekte. Jetzt, da sich die erste Aufregung gelegt hat, können wir uns die Zeit nehmen, einige davon etwas ruhiger anzusehen.

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Der 35c3, die Politik und das Fotografierverbot

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Der 35. Chaos Communication Congress ist leider vorbei. Jetzt setzt offenbar die Post-Congress-Depression ein. Schon während der Veranstaltung hatte ich das mulmige Gefühl: Es läuft zu glatt. Es gibt zu wenig Ärger. Die Leute kommen zu gut miteinander aus. Die Koordination ist zu gut. Die Verpflegung ist zu professionell organisiert. Das Netz ist zu stabil. Es gibt zu wenig Schlangen. Auch auf Twitter, in meinen Augen dem Drama-Medium schlechthin, gab es zwar einige nette Versuche marktschreierischer Selbstinszenierung, aber die verpufften überraschend schnell. Die Protagonisten scheinen sich ihre schlechte Laune für Tag 5 aufgehoben und dabei übersehen zu haben, dass da schon abgebaut wird. Das finde ich sehr freundlich, so bleibt das Geschrei wenigstens in der Familie.

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